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Das Schweizer iCan-Team bereitet sich auf den Wettbewerb vor.

ICAN we can

14. Dezember 2018 | 12:14 Autor: Roland Seeger, NTB FOLIO | Anzeige Vorarlberg, Deutschland, Liechtenstein, Schweiz

«Frauenpower» oder «Gemeinsam sind wir stark»: So könnte das Gespräch mit den beiden frischdiplomierten Ingenieurinnen Tanja Blöchlinger und Inday Carisch auch eingeleitet werden.Sie haben an der NTB Buchs das Ingenieurstudium mit dem  «Bachelor of Science FHO in Systemtechnik» abgeschlossen. Und so nebenbei – zusammen mit zwei männlichen Teammembers – erfolgreich am internationalen Mikrosystemtechnik- Wettbewerbe namens iCan teilgenommen und den dritten Platz belegt. Im Gespräch mit NTB FOLIO erzählen sie über ihre Erlebnisse während des Studiums, über das Projekt und das Arbeiten als Frau in einem Beruf, der (noch) vorwiegend von Männern ausgeübt wird.

Zwei frischdiplomierte Ingenieurinnen erzählen über ihr Studium. Und über ihren dritten Platz am internationalen Mikrosystemtechnik- Wettbewerb «iCan» in Hongkong.

Was war das Thema der eingereichten Arbeit?
INDAY: Physische Gesundheit und Sport sind wichtige Elemente unseres täglichen Lebensstils. Um das Risiko physiologischer Schäden zu minimieren – und gleichzeitig die Fitness zu verbessern – ist es wichtig, relevante Informationen über seinen Körper zu erhalten. Wir haben ein T-Shirt entwickelt, welche diese Informationen bequem und zuverlässig erfasst.

TANJA: Das Erfassen von Vitalfunktionen, um diese dem Konsumenten bzw. Patienten darzustellen und aufgearbeitet zur Verfügung zu stellen. Solche Daten sind aber nicht nur für Fitnessbewusste interessant, sondern auch für Gesundheitswesen, z. B. für die Pflege von Babys oder älteren Menschen.

Wie war es, an einem solchen Wettbewerb teilzunehmen?
INDAY: Es war eine sehr spannende und neue Erfahrung. Es ist schon was anderes, sein Projekt einem internationalen Publikum zu zeigen. Und auch die Projekte von den Mitbewerbern zu sehen, war spannend.

Als wir erfahren haben, dass unsere Mitbewerber auf Stufe Master und Doktorat agieren, wurden wir doch etwas nervös.

TANJA: Es war für mich ein Abenteuer, dass ich rückblickend nochmals machen würde. Denn dadurch habe ich mein erlerntes Wissen in einem von uns gewählten Projekt anwenden können. Dies hat mir einen neuen Blickwinkel auf mein Studium gegeben.

Konntet ihr auch noch ein paar Eindrücke von Hongkong mit seinen sieben Millionen Einwohnern mit nach Hause nehmen?
INDAY: Hongkong ist eine relativ westlich orientierte Stadt. Sie ist ziemlich sauber, es fahren sehr viele Elektrofahrzeuge herum – aber sonst ist die Technik eher rückständig. Das zeigt sich z. B. bei den Klimaanlagen.

TANJA: Diese Stadt hat mich durch seine Gegensätze fasziniert. Auf einer Seite technisch total hochstehend und westlich orientiert. Auf der anderen Seite mit der zum Teil rückständigen Einstellung zum Klimaschutz. Ich persönlich würde aber sagen, dass wir dieser Stadt in Bezug auf die Technik einiges abschauen könnten.

Sie haben dieses Jahr nicht nur am iCan-Wettbewerb teilgenommen, sondern gleichzeitig auch noch Ihre Bachelorarbeit verfasst. Geht das so «nebenbei»?
INDAY: Es sind viele Samstage draufgegangen
TANJA: So nebenbei geht es natürlich nicht. Aber mit grosser Unterstützung und Verständnis meines Umfelds (Familie, Freunde und meinen Bachelorkollegen) konnte ich beides unter einen Hut bringen. Kurz vor dem Wettbewerb in Hongkong hatten wir einige 6-Tage- Wochen und ab und zu Nachtschichten eingelegt.

Was hat Sie dazu bewogen, ein Ingenieurstudium zu absolvieren? Oder anders gefragt: Barbie oder Lego: Womit haben Sie als Kind mehr gespielt?
TANJA: Ich habe mit beidem gespielt! Später in der Schule haben mich die naturwissenschaftlichen Fächer mehr interessiert als Sprachen. Deshalb habe ich mich dann für eine Lehre als Feinwerkoptikerin und anschliessend für das Studium hier an der NTB entschieden.

INDAY: Ich habe den Eindruck, dass es in nördlichen Ländern eher üblich ist, dass auch Frauen technische Berufe ausüben.

Inday, Sie haben ja nicht nur das Ingenieurstudium, sondern auch Ihre berufliche Grundausbildung als Elektronikerin an der NTB absolviert. Was ist das für ein Gefühl, nach rund sieben Jahren die NTB zu verlassen?
INDAY: Ich habe die NTB als einen sehr familiären Arbeitgeber und eine familiäre Schule kennengelernt. Es hat mir hier auch sehr gut gefallen – aber nach sieben Jahren ist es auch Zeit, zu gehen und was Neues kennenzulernen.

Frauen sind ja in technischen Berufen immer noch relativ selten anzutreffen. Und noch rarer ergreifen sie ein Ingenieurstudium. Was ist Ihr persönliches Fazit?
TANJA: Ich bin der Meinung, dass oft noch Klischees vorherrschen. «Man» sollte jungen Frauen technische Berufe frühzeitig (ab spätestens der Oberstufe) näherbringen und sie bei ihrer persönlichen Entscheidung und Entwicklung fördern und unterstützen. Denn diese Unterstützung habe ich während der ganzen Zeit erfahren und kann nun sagen, dass es eine super Entscheidung war.

INDAY: Ich ebenfalls!

Gestern Studentin, heute Ingenieurin. Was ändert sich und was sind Ihre nächsten (beruflichen) Schritte?
Tanja: Ich habe begonnen zu arbeiten. Was für mich ein bisschen ungewohnt ist, ist die viele Freizeit, die ich nun nach dem Studium habe (lacht).
INDAY: Zuerst Reisen, dann mit Arbeiten anfangen.

iCan ist ein weltweiter Wettbewerb für Studierende, welche interessiert sind, die Lebensqualität der Gesellschaft mithilfe von technischen Lösungen zu verbessern. Dies in Bereichen wie z. B. Gesundheitsvorsorge, Umweltschutz, Energieerzeugung, Autonome Systeme usw. Die wichtigsten Technologien sind dabei unter anderem Mikrotechnik, Elektronik, Optik, Mechatronik, Robotik.

  • Paradox: Die gigantische Metropole Hongkong ist Austragsungsort für den internationalen Mikrosystemtechnik- Wettbewerb iCan.
    uploads/pics/ntb-hongkong.jpg
  • Ein bisschen Spass muss sein: Das Team zu Besuch im Disneyland Hongkong.
    uploads/pics/ntb-ican1.jpg

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